Wird meine Marke in ChatGPT genannt? Selbsttest und was Sie tun können
Von Henning Hock · zuletzt geprüft am 4. November 2026 · ca. 9 Minuten Lesezeit
Kurz gesagt
Ob Ihre Marke in ChatGPT und anderen KI-Assistenten genannt wird, finden Sie am zuverlässigsten heraus, indem Sie selbst 5 bis 10 typische Kundenfragen in mehreren Assistenten stellen, jede Frage mehrmals, und die Ergebnisse festhalten. Assistenten mit Websuche stützen sich auf öffentliche Quellen wie Fachartikel, Vergleichsportale, Foren und Bewertungen. Wer dort präsent ist und die eigene Website verständlich aufbaut, verbessert seine Chancen, eine Garantie gibt es nicht.Warum die Frage wichtiger wird
Viele Menschen tippen heute nicht mehr nur Stichworte in eine Suchmaschine, sondern stellen einem KI-Assistenten eine ganze Frage: „Welcher Steuerberater in Hannover kennt sich mit Onlinehändlern aus?“ oder „Welche Software eignet sich für die Zeiterfassung im Handwerk?“. Die Antwort ist oft eine kurze Liste mit drei bis fünf Namen und einer Begründung.
Für Ihr Unternehmen heißt das: Entweder Sie stehen auf dieser Liste, oder Sie kommen in diesem Moment gar nicht vor. Anders als bei einer Suchergebnisseite gibt es keine zweite Seite, auf die jemand weiterklickt. Gleichzeitig kann ein Assistent Ihr Angebot falsch beschreiben, etwa mit veralteten Preisen oder einem Standort, den es nicht mehr gibt.
Ob und wie Sie genannt werden, lässt sich nicht exakt messen, weil Antworten von Frage zu Frage und von Durchgang zu Durchgang schwanken. Ein strukturierter Selbsttest gibt Ihnen aber ein belastbares Bild. Wie das geht, zeigt der nächste Abschnitt.
Selbsttest in fünf Schritten
Planen Sie für den ersten Durchgang etwa eine Stunde ein. Spätere Wiederholungen gehen schneller, weil die Fragen und die Tabelle schon stehen.
Schritt 1: Fragen formulieren, wie Ihre Kunden fragen
Schreiben Sie 5 bis 10 Fragen auf, die ein potenzieller Kunde einem Assistenten stellen würde. Wichtig: Die meisten dieser Fragen sollten Ihren Firmennamen nicht enthalten. Sie wollen wissen, ob Sie empfohlen werden, wenn jemand Sie noch nicht kennt.
Mischen Sie drei Arten von Fragen:
- Empfehlungsfragen ohne Ihren Namen: „Welche Anbieter gibt es für …?“
- Vergleichsfragen mit Ihrem Namen und einem Wettbewerber: „Was ist der Unterschied zwischen A und B?“
- Faktenfragen zu Ihrem Unternehmen: „Was bietet A an, und was kostet es?“
Ein hypothetisches Beispiel: Angenommen, die „Muster Rösterei“ in Münster röstet Kaffee und beliefert Büros in der Region. Ihre Fragenliste könnte so aussehen:
- Welche Kaffeeröstereien in Münster beliefern Büros?
- Ich suche fair gehandelten Bürokaffee mit Lieferung im Münsterland. Wen kannst du empfehlen?
- Was ist besser für ein Büro mit 30 Leuten: Kaffeevollautomat mit Bohnen von einer lokalen Rösterei oder ein Kapselsystem?
- Welche Röstereien in NRW bieten ein Kaffee-Abo für Unternehmen an?
- Was weißt du über die Muster Rösterei in Münster?
- Muster Rösterei oder [Wettbewerber]: Wer ist für Bürokaffee besser geeignet?
- Hat die Muster Rösterei gute Bewertungen?
Formulieren Sie die Fragen so natürlich wie möglich. Kunden schreiben selten „beste Anbieter für X“, sondern beschreiben ihre Situation.
Schritt 2: In mehreren Assistenten fragen
Stellen Sie jede Frage in mindestens zwei, besser drei Assistenten, zum Beispiel ChatGPT, Perplexity, Google Gemini oder Microsoft Copilot. Achten Sie darauf, dass die Websuche aktiv ist. Ohne Websuche antwortet ein Assistent nur aus seinem Trainingswissen, das je nach Modell viele Monate alt sein kann.
Nutzen Sie nach Möglichkeit ein neues Gespräch ohne Verlauf, oder ein privates beziehungsweise abgemeldetes Fenster. Manche Assistenten berücksichtigen frühere Gespräche und Ihren Standort. Wenn Sie in vorherigen Chats oft über Ihr eigenes Unternehmen gesprochen haben, kann das die Antwort beeinflussen.
Schauen Sie außerdem bei Google, ob zu Ihren Fragen eine KI-Übersicht über den Suchergebnissen erscheint, und notieren Sie, wer dort genannt wird.
Schritt 3: Jede Frage mehrmals stellen
Dieselbe Frage liefert nicht immer dieselbe Antwort. Die Reihenfolge der Namen ändert sich, manchmal fällt ein Anbieter ganz heraus oder kommt neu dazu. Stellen Sie jede Frage deshalb drei Mal, jeweils in einem neuen Gespräch.
Erst wenn Sie in den meisten Durchgängen genannt werden, können Sie von einer stabilen Nennung sprechen. Eine einzelne Erwähnung ist ein Hinweis, kein Befund.
Schritt 4: Ergebnisse in einer Tabelle festhalten
Halten Sie jeden Durchgang fest. Eine einfache Tabelle reicht, etwa in einer Tabellenkalkulation oder direkt so:
| Frage und Assistent | Genannt? (3 Durchgänge) | Wettbewerber genannt | Quellen und Auffälligkeiten |
|---|---|---|---|
| Frage 1, ChatGPT | ja / nein / ja | B, C | Branchenverzeichnis, Lokalzeitung |
| Frage 1, Perplexity | nein / nein / nein | B, D | Forum, Vergleichsportal |
| Frage 5, Gemini | ja / ja / ja | – | Öffnungszeiten veraltet |
Notieren Sie zusätzlich das Datum des Durchgangs. Beim nächsten Test vergleichen Sie Zeile für Zeile.
Schritt 5: Auf die genannten Quellen achten
Assistenten mit Websuche zeigen meist Links oder Fußnoten zu den Seiten, aus denen sie ihre Antwort zusammengesetzt haben. Diese Quellen sind der wertvollste Teil Ihres Tests. Sie zeigen, welche Seiten der Assistent für Ihre Branche heranzieht.
Klicken Sie die Quellen an und fragen Sie sich: Kommen wir dort vor? Wenn ja, stimmt die Beschreibung? Wenn nein, könnten wir dort vorkommen? Eine Vergleichsseite, die in mehreren Antworten zitiert wird, Sie aber nicht listet, ist ein konkreter Ansatzpunkt.
Woher KI-Assistenten ihr Wissen haben
Um zu verstehen, was Sie beeinflussen können, hilft ein Blick auf die zwei Wissensquellen eines Assistenten.
Trainingsdaten
Sprachmodelle werden mit großen Mengen an Texten trainiert, darunter öffentliche Webseiten. Was dabei über Ihre Marke im Netz stand, kann in das Grundwissen des Modells eingeflossen sein. Dieses Wissen hat einen Stichtag und wird erst mit einer neuen Modellversion aktualisiert. Wie stark eine einzelne Quelle das Modell prägt, ist von außen nicht nachvollziehbar.
Live-Websuche
Viele Assistenten durchsuchen bei Bedarf das Netz, lesen einige Seiten und fassen sie zusammen. Diese Antworten sind aktueller und nennen in der Regel ihre Quellen. Für ChatGPT wird häufig genannt, dass die Suche unter anderem auf den Index von Microsoft Bing zurückgreift. OpenAI betreibt nach eigenen Angaben aber auch einen eigenen Crawler für die Suchfunktion. Gesichert ist: Was in der Websuche nicht auffindbar ist, kann ein Assistent dort auch nicht finden.
Welche Quellen häufig zitiert werden
Je nach Frage und Branche tauchen in den Quellenangaben vor allem diese Arten von Seiten auf:
- Vergleichsportale und Bestenlisten, etwa Software-Vergleiche oder Anbieterverzeichnisse einer Branche
- Fachartikel in Branchenmedien, Ratgeberseiten und Blogs
- Foren und Communities wie Reddit oder Fachforen, in denen Menschen Erfahrungen teilen
- Bewertungsportale und Kartendienste mit Kundenbewertungen
- Wikipedia und Wikidata für Grunddaten über bekanntere Unternehmen
- Die Website des Unternehmens selbst, vor allem für Faktenfragen zu Angebot und Preisen
Bei lokalen Fragen stammen viele Quellen aus Kartendiensten und Bewertungen, bei Software und B2B-Dienstleistungen eher Vergleichsportale und Fachartikel. Ihr Selbsttest aus Schritt 5 zeigt Ihnen, welche Mischung in Ihrer Branche vorherrscht.
Was Sie tun können
Es gibt keine Abkürzung, aber eine Reihe von Maßnahmen, die gleichzeitig Ihrer normalen Auffindbarkeit bei Google nutzen.
In Vergleichsportalen und Verzeichnissen stehen
Prüfen Sie die Portale und Verzeichnisse, die in Ihrem Test als Quelle auftauchten. Viele erlauben einen kostenlosen Grundeintrag. Achten Sie auf vollständige Angaben: Leistungen, Zielgruppe, Region, Kontakt. Bei Bestenlisten in Fachartikeln können Sie die Redaktion freundlich auf Ihr Angebot hinweisen, mit einer kurzen sachlichen Beschreibung statt einer Werbebotschaft.
Erwähnungen in Fachmedien
Ein Artikel in einem Branchenmedium, ein Gastbeitrag oder ein Interview erzeugt genau die Art von Quelle, die Assistenten gern zitieren. Für kleinere Unternehmen sind Lokalmedien, Verbandszeitschriften und Fachblogs oft realistischer als überregionale Presse.
Eine einheitliche Beschreibung überall
Beschreiben Sie Ihr Unternehmen auf Website, Verzeichniseinträgen, Social-Media-Profilen und in Pressemitteilungen mit denselben Kernaussagen: was Sie anbieten, für wen und wo. Wenn ein Verzeichnis Sie als „Kaffeehandel“ führt, ein anderes als „Café“ und Ihre Website als „Rösterei mit Bürolieferung“, entsteht ein unscharfes Bild. Ein kurzer Standardtext von zwei bis drei Sätzen, den Sie überall verwenden, hilft.
Eine Website mit klaren Antworten
Beantworten Sie auf Ihrer Website die Fragen, die Kunden tatsächlich stellen, in klarer Sprache: Was bieten Sie an? Für wen? In welcher Region? Was kostet es ungefähr? Ein Abschnitt mit häufigen Fragen ist dafür gut geeignet. Strukturierte Daten nach schema.org, etwa für Organisation, lokales Unternehmen oder Produkte, machen Grunddaten für Maschinen eindeutig lesbar.
Google schreibt in seiner Dokumentation zu KI-Funktionen in der Suche, dass es für KI-Übersichten keine zusätzlichen Anforderungen oder speziellen Optimierungen gibt. Eine Seite muss indexiert sein und mit Snippet in der Suche erscheinen können. Gute Suchmaschinenoptimierung ist hier also die Grundlage.
KI-Crawler nicht aussperren
Prüfen Sie Ihre robots.txt und gegebenenfalls die Einstellungen Ihres Hosters oder Ihrer Firewall. Manche Websites blockieren KI-Crawler, ohne dass es jemand bewusst entschieden hat. Beispiele für solche Crawler sind:
- GPTBot (OpenAI, für das Training von Modellen)
- OAI-SearchBot (OpenAI, für die Suchfunktion in ChatGPT)
- ClaudeBot (Anthropic)
- PerplexityBot (Perplexity, für die Suchergebnisse)
Die Anbieter unterscheiden teils zwischen Crawlern für das Training und Crawlern für die Suche. OpenAI schreibt in seiner Dokumentation zu den Crawlern, dass Websites, die OAI-SearchBot ausschließen, nicht in den Suchantworten von ChatGPT angezeigt werden. Sie können also zum Beispiel das Training ablehnen und die Suche erlauben. Perplexity beschreibt seine Crawler in der eigenen Dokumentation. Welche Entscheidung zu Ihnen passt, hängt davon ab, wie Sie zur Nutzung Ihrer Texte für das Training stehen.
Bewertungen sammeln
Bitten Sie zufriedene Kunden aktiv um eine Bewertung, etwa im Google-Unternehmensprofil oder auf dem Portal, das in Ihrer Branche üblich ist. Bewertungen erscheinen in den Quellen vieler Antworten auf Fragen wie „Hat Anbieter X gute Bewertungen?“. Kaufen Sie keine Bewertungen und schreiben Sie keine selbst: Das verstößt gegen die Regeln der Portale und kann rechtliche Folgen haben.
Die Grenzen: keine Garantie, keine Tricks
Seien Sie skeptisch bei Angeboten, die eine Nennung in ChatGPT versprechen. Niemand außerhalb der Anbieter weiß genau, wie ein Modell seine Antworten gewichtet, und die Systeme ändern sich laufend.
Drei Dinge sollten Sie realistisch einordnen:
- Antworten schwanken. Auch wenn Sie alles richtig machen, werden Sie nicht in jeder Antwort genannt.
- Wirkung braucht Zeit. Ein neuer Verzeichniseintrag oder Fachartikel muss erst gefunden werden. Ins Trainingswissen fließt er frühestens mit einer neuen Modellversion ein.
- Versteckte Anweisungen schaden. Unsichtbarer Text auf der Website, der sich an KI-Systeme richtet, oder massenhaft erzeugte Inhalte gelten als Manipulation und können Ihrer normalen Auffindbarkeit in Suchmaschinen schaden.
Was nachhaltig wirkt, ist dasselbe, was auch Menschen überzeugt: dass glaubwürdige Quellen über Sie schreiben und Ihre eigene Website klare Auskunft gibt.
Was Netzlauscher dazu beiträgt
Netzlauscher misst nicht, ob ChatGPT, Perplexity oder Google Sie in einer Antwort nennen. Es fragt keine KI-Assistenten ab und wertet keine KI-Antworten aus. Den Selbsttest oben machen Sie also weiterhin selbst.
Netzlauscher setzt eine Stufe davor an: bei den öffentlichen Quellen, aus denen Assistenten mit Websuche schöpfen. Es sucht einmal täglich in der Websuche, in einer internationalen Nachrichtendatenbank und auf Hacker News nach Ihrer Marke und zeigt Ihnen, welche Presseartikel, Blogs, Foren, Bewertungsseiten und öffentlich auffindbaren Social-Media-Beiträge Sie erwähnen. Jede Fundstelle wird von einer KI nach Kategorie, Stimmung und grober Reichweite eingeordnet.
So sehen Sie zum Beispiel, wenn ein neuer Vergleichsartikel Sie aufführt, wenn in einem Forum kritisch über Sie diskutiert wird oder wenn ein Verzeichnis Sie mit veralteten Angaben listet. Das sind die Stellen, die später in einer KI-Antwort auftauchen können. Was Netzlauscher genau prüft, steht unter Funktionen, die Konditionen unter Preise.
Wenn Sie zunächst ohne Werkzeug herausfinden möchten, was im Netz über Sie steht, hilft unsere Anleitung Was wird über mein Unternehmen gesagt?. Wie Sie Erwähnungen dauerhaft beobachten, erklärt der Leitfaden Markenmonitoring, und wie Bewertungen und Kritik Ihren Ruf prägen, die Seite Online-Reputation überwachen. Die Grundlagen zum Thema finden Sie im Artikel Social Listening.
Häufige Fragen
Was bedeutet GEO oder Generative Engine Optimization?
GEO ist ein Sammelbegriff für Maßnahmen, mit denen Unternehmen in den Antworten von KI-Assistenten häufiger und korrekter vorkommen wollen. Im Kern überschneidet sich das stark mit klassischer Suchmaschinenoptimierung und Pressearbeit: gut auffindbare Website, klare Inhalte, Erwähnungen in glaubwürdigen Quellen. Ein festes Regelwerk oder eine offizielle Zertifizierung gibt es nicht.
Kann ich bei OpenAI beantragen, dass meine Marke genannt wird?
Nein, ein solches Verfahren ist uns nicht bekannt. Welche Anbieter in einer Antwort erscheinen, ergibt sich aus dem Modell und den Quellen, die es findet.
Was tun, wenn ein Assistent Falsches über mein Unternehmen sagt?
Prüfen Sie zuerst, ob der Assistent eine Quelle nennt, und korrigieren Sie den Fehler möglichst dort, etwa einen veralteten Verzeichniseintrag oder eine falsche Angabe auf Ihrer eigenen Website. Viele Assistenten bieten außerdem eine Feedback-Funktion an einzelnen Antworten. Ob und wann sich die Antwort ändert, können Sie nicht steuern.
Wie oft sollte ich den Test wiederholen?
Ein Durchgang pro Quartal reicht für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen, um Veränderungen zu erkennen. Nach größeren Ereignissen, etwa einem Relaunch der Website oder einem Presseartikel, lohnt ein zusätzlicher Durchgang. Verwenden Sie dabei immer dieselben Fragen, sonst sind die Ergebnisse nicht vergleichbar.
Misst Netzlauscher, ob ich in ChatGPT genannt werde?
Nein. Netzlauscher fragt keine KI-Assistenten ab und wertet keine KI-Antworten aus. Es zeigt Ihnen, welche öffentlichen Webseiten, Foren, Bewertungen und Nachrichten Ihre Marke erwähnen, also die Art von Quellen, auf die sich Assistenten mit Websuche stützen.
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